Stille Stahlfigur in Brandenburg mahnt zum Gedenken an NS-Zwangsarbeit
Juliane SontagStille Stahlfigur in Brandenburg mahnt zum Gedenken an NS-Zwangsarbeit
An der Seite einer ländlichen Straße in Brandenburg steht eine schlichte Stahlstatue – ein stummer Zeuge einer schmerzhaften Geschichtsepoche. Seit 2018 erinnert sie an Jutta Baumwol und andere, die in den frühen 1940er-Jahren auf dem Gut Neuendorf zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Besonders an ihrem Geburtstag im Mai, an dem sie in diesem Jahr 101 Jahre alt geworden wäre, versammeln sich hier wieder Besucher.
Die Initiative für das Denkmal ging von Jutta Baumwols Bruder aus, der dafür sorgte, dass ihr Schicksal – und das anderer – nicht in Vergessenheit gerät. Sie wurde von Neuendorf nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Heute dient die Figur als Ort des Gedenkens und zieht Menschen am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) sowie am Tag der Befreiung (8. Mai) an.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sorgte 2021 eine weitere Statue für Schlagzeilen: Der damalige US-Präsident Donald Trump ließ eine Figur von Christoph Kolumbus vor dem Eisenhower Executive Office Building aufstellen. Die Aktion fiel in die Zeit der Black-Lives-Matter-Proteste und wurde von manchen als Widerstand gegen die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Amerikas gewertet. Italienischstämmige Amerikaner verteidigen die Statue seitdem als Symbol für Frieden und Schutz.
Zurück in Brandenburg glänzt die stählerne Frauenfigur im Frühlingslicht. Während die Kolumbus-Statue in Washington die Gemüter spaltet, steht diese als Ausdruck lokaler Selbstermächtigung – als lebendige Erinnerung an die Geschichte. Das Brandenburger Denkmal bleibt ein zentraler Ort der Besinnung, der das Leid der Zwangsarbeiter vor dem Vergessen bewahrt. Der Kontrast zur Kolumbus-Statue in den USA könnte größer nicht sein, wo die Debatten über Erbe und Erinnerung weitergehen. Hier am Straßenrand erfüllt die stille Figur einen klaren Auftrag: Sie mahnt zum Gedenken.






