Apotheker verliert Lizenz nach jahrelangem Betrug und COVID-19-Skandal
Cetin GeißlerApotheker verliert Lizenz nach jahrelangem Betrug und COVID-19-Skandal
Ein Apotheker, der die problembehaftete Apotheke seines Bruders übernommen hatte, hat nun seine Berufszulassung verloren. Sein Absturz folgte auf jahrelangen Abrechnungsbetrug, unsachgemäße COVID-19-Tests und eine Gefängnisstrafe wegen Betrugs an Versicherungen in Höhe von über 1,6 Millionen Euro. Der Fall wirft ernste Fragen zum Vertrauen in den pharmazeutischen Berufsstand auf.
Der Skandal begann im Jahr 2010, als der Apotheker das bereits wegen Abrechnungsbetrugs untersuchte Geschäft seines Bruders übernahm. Statt den Kurs zu korrigieren, führte er das betrügerische System mindestens drei weitere Jahre fort. Ermittler deckten später 65 Fälle auf, in denen Rezepturen abgerechnet, aber nie ausgehändigt wurden – die Gewinne teilten sich der Apotheker und die Patienten. Der Gesamtschaden für die Krankenkassen belief sich auf über 1,6 Millionen Euro.
Bis Dezember 2013 stellte der Apotheker die betrügerischen Machenschaften ein und erstattete den vollen Betrag an die betroffenen Versicherer zurück. Dennoch beanstandeten die Aufsichtsbehörden sein Verhalten bereits 2015 und warnten vor einem möglichen Entzug der Zulassung. Offizielle Anklage wurde schließlich 2019 erhoben.
Während des Prozesses behauptete er, Patienten hätten ihn unter Druck gesetzt, das System aufrechtzuerhalten, aus Sorge um weitere juristische Konsequenzen für seinen Bruder. Das Gericht wies diese Verteidigung zurück und urteilte, der Betrug zeige klaren kriminellen Vorsatz. Der Apotheker wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt – die Richter betonten, dies sei die mindestangemessene Strafe angesichts der Schwere der Vergehen.
Noch vor der Verurteilung kamen weitere Unregelmäßigkeiten ans Licht: In der Apotheke wurden COVID-19-Tests unsachgemäß durchgeführt, und die Hygienestandards lagen weit unter den Anforderungen. Im Februar 2022 entzog ihm das Verwaltungsgericht Frankfurt offiziell die Zulassung und begründete dies mit einem besonders schweren Verstoß gegen die beruflichen Pflichten.
Der Entzug der Apothekerlizenz markiert das Ende eines langen Rechtsstreits. Die Entscheidung des Gerichts unterstreicht den nachhaltigen Schaden, den sein Handeln angerichtet hat – sowohl finanziell als auch für das öffentliche Vertrauen in Apotheker. Sein Fall dient nun als Mahnmal für die Folgen beruflichen Fehlverhaltens im Gesundheitswesen.






