02 April 2026, 16:32

Theater hinter Gittern: Wie eine Inszenierung in der JVA Wiesbaden Leben verändert

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" und lesbarem Text sowie einem Logo auf der Seite.

Theater hinter Gittern: Wie eine Inszenierung in der JVA Wiesbaden Leben verändert

Ein voll besetzter Saal mit rund 80 Zuschauern füllte vergangene Woche die Jugendstrafanstalt Wiesbaden für eine mitreißende Theateraufführung. Die Vorstellung, Teil des langjährigen Theaterprojekts der Anstalt, erntete begeisterten Applaus und stehende Ovationen. Die diesjährige Produktion markierte einen weiteren Erfolg der einzigartigen Initiative, die jungen Inhaftierten hinter Gittern einen kreativen Ausweg bietet.

Das Stück DNA des britischen Autors Dennis Kelly wurde von Regisseur Matze Vogel für die diesjährige Aufführung ausgewählt. Die schwarze Komödie thematisiert die gefährlichen Gruppendynamiken unter Jugendlichen und zeigt, wie Gruppenzwang in Gewalt eskalieren kann. Vogels Wahl traf bei den Darstellern auf große Resonanz – viele von ihnen kennen ähnliche Konflikte aus eigenem Erleben.

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Seit über einem Jahrzehnt veranstaltet die Justizvollzugsanstalt jährlich eine Theaterproduktion, wobei alle zehn Vorstellungen innerhalb weniger Tage ausverkauft sind. Die Einrichtung verfügt sogar über eine eigene Studiobühne – die einzige ihrer Art in einem deutschen Gefängnis. Dieser professionelle Proben- und Aufführungsraum ermöglicht es den Inhaftierten, unter realistischen Bedingungen zu arbeiten.

Die Schauspieler, allesamt junge Gefangene, bedankten sich mit mehrfachem Verbeugen für den tosendem Beifall, der mit Stampfen und "Bravo"-Rufen begleitet wurde. Ein Darsteller, der nur unter dem Kürzel J. genannt werden möchte, berichtete später, das Theater lasse ihn trotz seiner Inhaftierung Freiheit spüren. Die Kostümbildnerin Nathalie Meyer, die seit zehn Jahren an dem Projekt mitwirkt, bezieht die Schauspieler aktiv in die Gestaltung ihrer Kostüme und der Bühnenelemente ein. Ihr Ansatz vermittelt ihnen ein Gefühl von Eigenverantwortung für die Produktion.

Doch das Projekt zielt über den Applaus hinaus: Es soll den Teilnehmern Fähigkeiten vermitteln, die ihnen nach der Entlassung nützlich sein könnten. Durch Schauspiel, Lichtgestaltung und Bühnenbau entwickeln die jungen Männer Teamfähigkeit, Disziplin und Kreativität – Werkzeuge, die ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft erleichtern können.

Die Vorstellung endete mit donnerndem Applaus, doch die Wirkung des Projekts reicht weit über den letzten Vorhang hinaus. Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken darüber, wie viele ehemalige Teilnehmer später künstlerische oder handwerkliche Berufe ergreifen, doch das Programm bleibt eine seltene Gelegenheit zur Selbstentfaltung. Für die Beteiligten bedeutet es nicht nur einen Moment der Freiheit – sondern vielleicht auch den Anfang eines neuen Lebenswegs.

Quelle