Russlanddeutsche wählen neu: Wie ihre Stimmen die Bundestagswahl 2024 prägen
Delia CasparRusslanddeutsche wählen neu: Wie ihre Stimmen die Bundestagswahl 2024 prägen
Die Bundestagswahl am 26. September markiert einen Wendepunkt für die russlanddeutsche Gemeinschaft in Deutschland. Zum ersten Mal seit 16 Jahren wird Angela Merkel nicht auf dem Wahlzettel stehen. Rund 1,2 bis 1,35 Millionen Spätaussiedler und ethnische Deutsche aus Russland und der ehemaligen Sowjetunion besitzen heute das Wahlrecht – und prägen mit ihren politischen Prioritäten die Generationen.
Die Journalistin Annabel Rosin hat kürzlich mit Mitgliedern dieser Gemeinschaft in Baden-Württemberg gesprochen, um ihre Anliegen vor der Wahl zu verstehen.
In Deutschland geben Wähler zwei Stimmen ab: eine für den Direktkandidaten im Wahlkreis, eine für eine Partei. Doch die russlanddeutsche Wählerschaft zeigt deutliche generationenbedingte Unterschiede in ihren politischen Schwerpunkten.
Ältere Wähler, viele von ihnen jahrzehntelang unter autoritären Regimen gelebt, legen oft Wert auf Stabilität in Rente und Bildung. Ihre Erfahrungen haben bei manchen zu politischer Distanz geführt, doch Merkels Führung blicken sie noch immer mit Sympathie zurück. Jüngere Russlanddeutsche hingegen fordern vor allem Digitalisierung und eine ambitioniertere Klimapolitik.
Die mittlere Generation konzentriert sich eher auf praktische Themen wie Kita-Plätze und höhere Mindestlöhne. Trotz unterschiedlicher Prioritäten verbindet alle Altersgruppen eine grundsätzliche Wertschätzung für Merkels Amtszeit.
Die Wahlberechtigung der russlanddeutschen Gemeinschaft basiert auf Artikel 116 des Grundgesetzes und dem Bundesvertriebenengesetz. Diese Gesetze gewähren ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft – und damit das volle Wahlrecht – ohne zusätzliche Aufenthaltsvoraussetzungen, sofern sie gemeldet sind und einen gültigen Ausweis besitzen.
Die Wahl wird zeigen, wie Russlanddeutsche ohne Merkel als Kandidatin das politische Gefüge Deutschlands mitgestalten. Ihre Stimmen, verteilt über Rententhemen, Klimaschutz und Lohnpolitik, könnten in entscheidenden Wahlkreisen den Ausschlag geben. Mit über einer Million wahlberechtigter Bürger trägt ihre kollektive Stimme Gewicht bei der Ausrichtung der nächsten Regierung.






