Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung und Kritik an Deutschlands Rolle
Juliane SontagSyriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung und Kritik an Deutschlands Rolle
Ahmed al-Scharaa, Syriens kommissarischer Präsident, ist zu einem offiziellen Besuch in Berlin eingetroffen. Die Reise hat unter Menschenrechtsorganisationen Diskussionen über die Rolle Deutschlands bei der Unterstützung des politischen Übergangs in Syrien ausgelöst. Einige Aktivisten begrüßten den Schritt, forderten jedoch strengere Auflagen in Sachen Demokratie und rechtlicher Schutzmechanismen.
Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, bezeichnete al-Scharaas Einladung als "richtigen Schritt". Sie betonte jedoch, dass Syrien nach wie vor ein schwerwiegendes Demokratiedefizit aufweise. Gleichzeitig kritisierte Bischoff Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür, deutsche Unterstützung an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen statt an demokratische Reformen zu knüpfen.
Adopt a Revolution arbeitet seit 2011 mit lokalen Partnern in Syrien zusammen, um die Zivilgesellschaft zu stärken. Während des Besuchs forderte die Organisation bessere rechtliche Garantien für Syrer in Deutschland, die in ihre Heimat zurückkehren möchten. Zudem rief sie die Bundesregierung auf, lokale Gemeinschaften in die Wiederaufbauprojekte einzubinden.
Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves äußerte Bedenken, dass Berlin sich ausschließlich mit der Übergangsregierung austausche. Er räumte ein, dass die Syrer der Freiheit näher seien als je zuvor, warnte jedoch, dass anhaltende Unterstützung entscheidend bleibe. Bischoff pflichtete dem bei und bezeichnete den Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024 als historische Chance für die Demokratie – mahnte zugleich aber vor aufkommenden autoritären Tendenzen.
Der Besuch hat die unterschiedlichen Perspektiven auf den deutschen Ansatz in Syrien deutlich gemacht. Während Menschenrechtsgruppen auf demokratiefördernde Maßnahmen und eine breitere Einbindung über die Übergangsregierung hinaus drängen, setzen sich Aktivisten weiterhin für stärkere Schutzmechanismen und die Beteiligung lokaler Akteure an der Zukunft Syriens ein.






