Kinder- und Jugendhilfe vor radikaler Reform: Weniger Bürokratie, mehr Pauschalen – doch wer profitiert wirklich?
Cetin GeißlerKinder- und Jugendhilfe vor radikaler Reform: Weniger Bürokratie, mehr Pauschalen – doch wer profitiert wirklich?
Umfassende Reformen der Kinder- und Jugendhilfe stehen bevor. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Unterstützungsstrukturen vereinfachen und gleichzeitig Milliarden einsparen soll. Die Änderungen werden Auswirkungen darauf haben, wie Familien Hilfe erhalten – mit langfristigen Entlastungen für Bund, Länder und Kommunen.
Kernpunkt der Reform ist die Verlagerung von Integrationsleistungen aus dem Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) in das Achte Sozialgesetzbuch (SGB VIII). Damit werden Leistungen in einem einheitlichen Rechtsrahmen gebündelt, was die Verwaltung erleichtern soll. Allerdings könnte dies auch zu Kompetenzstreitigkeiten führen, insbesondere bei der Frage, ob Hilfen wegen einer Behinderung oder aus anderen Gründen gewährt werden müssen.
Das bisherige individuelle Anspruchsrecht auf Beratung und Unterstützung entfällt und wird durch ein pauschalisiertes Bildungs- und Teilhabepaket ersetzt. Statt maßgeschneiderter Hilfen gibt es künftig standardisierte Leistungen mit Pauschalbeträgen für Familien. Die Regierung begründet dies mit mehr Effizienz und weniger Bürokratie.
Die Einsparungen durch die Reform sollen schrittweise steigen. Bis 2028 rechnet der Bund mit jährlichen Ersparnissen von 200,6 Millionen Euro, die sich bis 2036 auf bis zu 2,7 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen könnten – vorausgesetzt, die Umstellung wird flächendeckend umgesetzt.
Die Reform bedeutet einen tiefgreifenden Wandel in der Kinder- und Jugendhilfe. Langfristig profitieren Bund und Kommunen von Milliardenersparnissen. Doch wie gut die Änderungen greifen, hängt davon ab, wie reibungslos der Übergang zu standardisierten Leistungen gelingt und wie Konflikte um Zuständigkeiten gelöst werden.






