FDP-Streit eskaliert: Generalsekretär gibt Interview bei Junger Freiheit – und löst Empörung aus
Delia CasparFDP-Streit eskaliert: Generalsekretär gibt Interview bei Junger Freiheit – und löst Empörung aus
In der Freien Demokratischen Partei (FDP) ist eine Debatte entbrannt, ausgelöst durch ein Interview, das der parteieigene Generalsekretär Martin Hagen der rechtsextremen Publikation Junge Freiheit gegeben hat. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger übt scharfe Kritik an diesem Schritt und wirft Hagen vor, damit dem rechtspopulistischen Milieu eine Plattform zu bieten. Der Streit offenbart tiefe Gräben innerhalb der FDP darüber, wie mit umstrittenen Medien umgegangen werden soll.
Leutheusser-Schnarrenberger, eine prägende Figur des linksliberalen Parteiflügels, warnte, das Interview könne die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) salonfähig machen. Sie betonte, dass eine solche Öffnung die Grenzen zwischen demokratischer Politik und Extremismus verwischen könnte. Unterstützung erhielt sie von Sabine Döring, die aus Protest gegen die Kooperation mit der Junge Freiheit ihre Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung absagte.
Martin Hagen verteidigte seine Entscheidung, mit der Jungen Freiheit zu sprechen. Das Blatt sei weder unseriös noch verfassungsfeindlich, argumentierte er. Zugleich wies er jede Annäherung an die AfD zurück und erklärte, die Partei komme für die FDP nicht als Bündnispartner infrage.
Nicht alle Parteimitglieder teilten die Kritik. Susanne Seehofer, Mitglied des FDP-Bundesvorstands, sprach sich für das Interview aus und unterstrich die Notwendigkeit, sich auch außerhalb politischer Echokammern auszutauschen. Hagen selbst bedauerte, dass die Gesellschaft – besonders während der Amtszeit Angela Merkels – die Fähigkeit zu sachlicher Auseinandersetzung verloren habe.
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel heizte die Kontroverse weiter an, indem es dem Interview einen Bruch mit journalistischen Grundsätzen vorwarf. Der Konflikt zeigt, wie gespalten die FDP in der Frage ist, wie sie mit rechtsextremen Medien und politischen Akteuren umgehen soll.
Die Diskussion hat eine grundsätzliche Debatte über die Grenzen des politischen Dialogs in der FDP ausgelöst. Zwar bleibt Hagen bei seiner Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der AfD, doch die Auseinandersetzung über den Umgang mit umstrittenen Medien hält an. Die Partei steht nun vor der Herausforderung, offene Debattenkultur mit der Gefahr zu vereinen, rechtsextreme Positionen aufzuwerten.
