Deutsche Bahn zwischen Führungswechsel, Pannen und wachsendem Wettbewerbskampf
Delia CasparDeutsche Bahn zwischen Führungswechsel, Pannen und wachsendem Wettbewerbskampf
Die Deutsche Bahn steht vor tiefgreifenden Führungswechseln und operativen Rückschlägen. Michael Obrowski, ein Manager von Volkswagen, übernimmt als neuer Finanzvorstand des Konzerns – nur vier Monate, nachdem Karin Dohm das Amt verlassen hat. Die Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der Druck auf Vorstandschefin Evelyn Palla wächst, die wachsende Kritik an der Leistung des Bahnbetreibers zu bewältigen.
Am Dienstagabend kam der Zugverkehr in Deutschland nahezu zum Erliegen, nachdem das Bahnfunknetz ausgefallen war. Tausende Reisende saßen bundesweit fest. Der Vorfall verschärft die Probleme des Unternehmens, während der Aufsichtsrat über einen umfassenden Umstrukturierungsplan berät, der radikale Kürzungen in der Konzernzentrale und bei der Führungsebene vorsieht.
Auch das Bahnprojekt Stuttgart 21 hat einen weiteren Dämpfer erhalten: Die Fertigstellung verzögert sich nun bis Ende 2031 – fünf Jahre später als ursprünglich geplant. Als Gründe für die Verzögerung nennen Verantwortliche komplexe Digitalisierungsprozesse und unausgereifte Planungsabläufe. Das Projekt wird zunehmend mit dem Berliner Flughafen BER verglichen, der erst 14 Jahre nach dem geplanten Termin eröffnet wurde.
Zusätzlicher Druck entsteht durch den Markteintritt des italienischen Unternehmens Italo in den deutschen Fernverkehr. Ab 2028 will Italo 30 Hochgeschwindigkeitszüge auf profitablen Strecken einsetzen. Die Pläne verunsichern die Branche, darunter auch lokale Verkehrsbehörden, die um die Sicherung von Trassenkapazitäten besorgt sind. Experten warnen, dass dies die Fähigkeit der Deutschen Bahn schwächen könnte, weniger rentable Verbindungen quersubventionieren zu können.
Mit einem neuen Finanzvorstand in Aussicht und einer unter Beobachtung stehenden Vorstandschefin durchlebt die Deutsche Bahn eine entscheidende Phase. Die jüngsten Verzögerungen und der wachsende Wettbewerb erhöhen die Dringlichkeit der geplanten Restrukturierung. Das Unternehmen muss nun sowohl interne Herausforderungen als auch externe Druckfaktoren bewältigen, um seine Geschäfte zu stabilisieren.
