Wie Neslihan Arol mit Meddah Berlins Bühnen revolutioniert
Neslihan Arol lässt auf Berlins Bühnen eine uralte Erzähltradition wiederaufleben. Mit einer Mischung aus Humor, Politik und der jahrhundertealten Kunst des Meddah – dem Einpersonentheater aus dem Osmanischen Reich – verwandelt sie jeden Auftritt in ein feministischen Experiment. Während eine Teelichtkerze neben ihr flackert, stellt sie Normen infrage und bringt das Publikum gleichzeitig zum Lachen.
Arols Weg begann fernab der Bühne. Zunächst studierte sie Chemieingenieurwesen, doch heimlich hegte sie eine Leidenschaft für die Schauspielerei. Ihre Neugier führte sie zur Clownerie, wo ihr etwas auffiel: Frauen durften in der klassischen Theaterwelt nur selten komisch sein. Diese Erkenntnis prägte ihre Arbeit und trieb sie dazu, die Clownerie als feministischen Ansatz zu erkunden.
2014 zog sie nach Berlin, um sich mit Comedy, Clowns, Stand-up und Meddah auseinanderzusetzen – ein Projekt, das acht Jahre in Anspruch nahm. Die Tradition selbst reicht bis ins mittelalterliche Persien zurück und entwickelte sich zu einer satirischen, lehrreichen und unterhaltsamen Darbietung in osmanischen Kaffeehäusern. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert waren Meddahs professionelle Geschichtenerzähler, die die Gesellschaft kritisierten und in Städten wie Istanbul ein vielfältiges Publikum zusammenbrachten.
Auf der Bühne wechselt Arols Energie zwischen Ernsthaftigkeit und Gelächter. Einst nutzte sie eine alte Gaslampe als Requisit, doch nach einem Beinahe-Unfall stieg sie auf die sicherere Teelichtkerze um. Das Kerzenlicht steht heute für die Wärme und Menschlichkeit der Meddahs – es brennt hell, um andere zu erleuchten, genau wie es die Tradition einst tat. Ihre Auftritte sind mehrsprachig, scharfzüngig und unverschämt politisch.
Am Ende jeder Vorstellung bläst sie die Flamme aus und verabschiedet sich vom Publikum. Doch die Verheißung bleibt: Beim nächsten Mal kehrt sie mit neuen Geschichten zurück.
Arols Arbeit belebt den Meddah neu und schafft gleichzeitig Raum für Frauen in der Comedy. Ihre kerzenbeleuchtete Bühne in Berlin wird zu einem Ort, an dem uralte Erzählungen auf modernen Feminismus treffen. Die Tradition lebt weiter – doch nun mit einer neuen Stimme, die lacht, hinterfragt und sich nicht ignorieren lässt.






