Wie 700 E-Autos das deutsche Stromnetz revolutionierten – und was jetzt kommt
Cetin GeißlerWie 700 E-Autos das deutsche Stromnetz revolutionierten – und was jetzt kommt
Bahnbrechendes Pilotprojekt in Deutschland zeigt, wie private Elektroautos das Stromnetz stabilisieren können
Das unter dem Namen OctoFlexBW durchgeführte Projekt verband über 700 Haushalts-Elektrofahrzeuge, um Engpässe im Stromnetz zu bewältigen. Der Erfolg der Initiative hat nun Pläne für eine Ausweitung sowie regulatorische Anpassungen angestoßen, um dezentrale Flexibilität im Energiesystem zu fördern.
An dem Vorhaben arbeiteten TransnetBW und Octopus Energy zusammen, indem sie die DA/RE-Plattform von TransnetBW mit dem KrakenFlex-System von Octopus Energy verknüpften. Diese Kombination ermöglichte eine Echtzeitsteuerung der Ladevorgänge der Fahrzeuge in Phasen hoher Netzbelastung. Durch die Anpassung von Ladezeiten und -geschwindigkeiten stellte das System täglich etwa zwei Megawattstunden an Flexibilität bereit.
An der Testphase beteiligten sich private E-Auto-Besitzer, die ihre gewünschte Lademenge bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgeben konnten. Ein Aggregator optimierte anschließend den Ladevorgang anhand von Strompreisen und Netzanforderungen. So wurden sowohl die Bedürfnisse der Nutzer erfüllt als auch die Netzstabilität unterstützt.
Die Ergebnisse belegten, dass sich die Flexibilität privater Elektrofahrzeuge nahtlos in bestehende Redispatch-Prozesse integrieren lässt. Die Projektpartner setzen sich nun für aktualisierte Vorschriften ein, um weitere dezentrale Flexibilitätspotenziale zu erschließen. Schätzungen zufolge könnten eine Million Elektroautos täglich mehrere Gigawattstunden an Flexibilität bereitstellen – genug, um einen erheblichen Teil des aktuellen Redispatch-Bedarfs in Deutschland zu decken.
Mit DataFleX ist bereits ein Folgeprojekt in Planung, das den Ansatz auf mehr Fahrzeuge, Heimspeichersysteme ausweiten und möglicherweise auch andere Netzebenen sowie europäische Plattformen einbeziehen soll.
Das OctoFlexBW-Projekt endete am 25. März 2026 und bewies, dass private Elektroautos eine Schlüsselrolle in der Netzsteuerung spielen können. Mit den Plänen für DataFleX und dem Appell an regulatorische Reformen ebnet die Initiative den Weg für eine breitere Einführung dezentraler Energielösungen. Dies könnte die Abhängigkeit von fossilen Kraftwerken verringern und gleichzeitig das Stromnetz widerstandsfähiger machen.






