Traditionsunternehmen Mayer & Cie. meldet nach 120 Jahren Insolvenz an
Juliane SontagTraditionsunternehmen Mayer & Cie. meldet nach 120 Jahren Insolvenz an
Mayer & Cie., traditioneller deutscher Maschinenbauer mit 120-jähriger Geschichte, meldet Insolvenz an
Nach Jahren finanzieller Belastungen hat die familiengeführte Mayer & Cie. GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet. Das seit 120 Jahren bestehende Unternehmen, bekannt für seine Rundstrick- und Flechtmaschinen, führt seinen Niedergang auf globale Handelskonflikte, Kriege und Marktzwänge zurück. Trotz Kostensenkungen und Umstrukturierungsmaßnahmen bleibt dem Betrieb nun eine Frist von drei Monaten, um die Wende zu schaffen – andernfalls droht die Schließung.
Die Probleme begannen mit einem drastischen Nachfrageeinbruch, insbesondere in China, wo Textilmaschinen zu Dumpingpreisen importiert wurden. Die Umsätze brachen um 50 Prozent ein, woraufhin Mayer & Cie. 2023 Kurzarbeit einführte und diese später auf alle Abteilungen ausweitete. Um die Verluste abzufedern, strich das Unternehmen 20 Prozent der Belegschaft, erschloss neue Märkte wie Indien und Südostasien und investierte bis 2025 15 Millionen Euro in Automatisierung und Digitalisierung. Diese Schritte bremsten den Abwärtstrend: Der Umsatzrückgang verringerte sich auf 25 Prozent, und der weltweite Marktanteil von 35 Prozent im Bereich der Strumpfware-Produktion blieb erhalten.
Äußere Faktoren verschärften die Krise zusätzlich. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der Ukraine-Krieg sowie die galoppierende Inflation in der Türkei setzten die Gewinnmargen weiter unter Druck. Trotz dieser Herausforderungen blieb das in vierter Generation von Benjamin, Marcus und Sebastian Mayer geführte Familienunternehmen Branchenprimus in seinem Segment.
Die Insolvenzverfahren laufen nun in Eigenverwaltung, sodass die Geschäftsführung vorerst die Kontrolle behält. Die 280 Mitarbeiter erhalten für drei Monate Insolvenzgeld, während der Restrukturierungsexperte Martin Mucha finanzielle Unterstützung in Höhe von 100 Millionen Euro bereitstellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli überwacht die Geschäfte. Gelingt es dem Unternehmen nicht, sich innerhalb des Dreimonatszeitraums zu stabilisieren, ist eine endgültige Schließung wahrscheinlich.
Mayer & Cie. steht nun vor einer entscheidenden Bewährungsprobe: In den kommenden drei Monaten wird sich zeigen, ob die Umstrukturierungsbemühungen und die finanzielle Absicherung das Unternehmen retten können. Scheitert die Wende, droht dem Traditionsbetrieb mit 120 Jahren Geschichte das Aus – mit ungewisser Zukunft für die Belegschaft und die Branchenpartner.






