23 March 2026, 12:33

Milliarden-Deal für Tennet: Kann er Deutschlands Stromnetz noch retten?

Eine Liniengrafik, die den durchschnittlichen Strompreis pro Kilowattstunde im Bundesland im Jahr 2022 zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Milliarden-Deal für Tennet: Kann er Deutschlands Stromnetz noch retten?

Deutschlands größter Netzbetreiber Tennet steht vor einem Milliarden-Deal

Ein Konsortium unter Führung des norwegischen Staatsfonds und des niederländischen Pensionsfonds APG plant bis Mitte September ein verbindliches Angebot für Tennet abzugeben. Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Tennet und andere Betreiber mit steigenden Kosten, Verzögerungen und politischen Hindernissen beim Ausbau des deutschen Energienetzes kämpfen.

Bei dem Deal geht es um eine Kapitalerhöhung und nicht um eine vollständige Übernahme. Der norwegische Fonds prüft zudem Investitionen in einen weiteren zentralen Netzbetreiber, Amprion. Gleichzeitig hinkt der Netzausbau dem rasanten Wachstum der erneuerbaren Energien hinterher – mit Folgen für Versorger und Verbraucher gleichermaßen.

Tennet Deutschland sucht dringend Mittel für kritische Stromtrassen Besonders eilig hat es Tennet Deutschland mit der Finanzierung der lang geplanten Nord-Süd-Stromautobahnen. Projekte wie NordLink und SüdLink leiden seit Jahren unter Verzögerungen durch Bürgerproteste, Klagen und behördliche Rückschläge. Bereits 2014 bestätigte ein Gericht Bedenken von Umweltschutzverbänden wie dem BBU, während Bürgerinitiativen – etwa der Protest 2025 in Schondra – weiterhin den Fortschritt blockieren. Politische Einmischung und fehlende Alternativrouten verschärfen die Probleme bei diesen zentralen Infrastrukturvorhaben.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) geht bei der Genehmigung von Netzausbaukosten zurückhaltend vor, um die Netzentgelte stabil zu halten. Doch diese Vorsicht führt zu weiteren Verzögerungen – und lässt Betreiber wie Tennet mit steigenden Ausgaben und unvollendeten Projekten zurück. In Baden-Württemberg etwa haben sich die Genehmigungsverfahren für Netzausbau so verzögert, dass es zu Einschränkungen bei der Einspeisung von Solarstrom kommt. Einige Haushalte müssen nun damit rechnen, vom öffentlichen Netz abgeklemmt zu werden, wenn sie keine Anpassungen vornehmen.

Folgen der Schieflage: Höhere Kosten, Ungleichheit, Risiko von Stromabschaltungen Die Diskrepanz zwischen Energieerzeugung und Netzkapazität hat weitreichende Auswirkungen. Begüterte Haushalte, die in private Energielösungen investieren, reduzieren ihre Abhängigkeit vom öffentlichen Netz – und verlagern die Kosten auf diejenigen, die sich keine Alternativen leisten können. Diese Ungleichheit könnte die Netzentgelte für die verbleibenden Nutzer in die Höhe treiben und zu höheren Pflichtabgaben führen.

Zusätzlich verschärft die EU die Lage: Deutschland wird nicht mehr als einheitliche Strompreiszone behandelt. Unterschiedliche Erzeugungskosten und höhere Kosten für Engpassmanagement im Süden haben zu einer Aufspaltung geführt – mit Folgen für die Energieverteilung und die Kostensteuerung.

Kapitalspritze als Rettungsanker? Das anstehende Angebot für Tennet markiert einen entscheidenden Schritt bei der Bewältigung der deutschen Netzprobleme. Gelingt die Kapitalerhöhung, könnten lang verschobene Projekte wie die Nord-Süd-Stromtrassen vorankommen. Doch ohne beschleunigte Genehmigungsverfahren und Lösungen für den lokalen Widerstand droht der Ausbau weiter hinterherzuhinken.

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Für Verbraucher bleiben die Risiken bestehen: mögliche Stromabschaltungen, steigende Kosten und ein ungleicher Übergang zur Energieautarkie. Wie Deutschland seine Energiewende in den kommenden Jahren meistert, hängt maßgeblich vom Ausgang von Tennets Finanzierungsvorhaben und den EU-weiten Zonenänderungen ab.

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