Jan Böhmermanns provokante Ausstellung stellt Macht und Medien auf den Prüfstand
Juliane SontagJan Böhmermanns provokante Ausstellung stellt Macht und Medien auf den Prüfstand
Provokante neue Ausstellung von Jan Böhmermann in Berlins Haus der Kulturen der Welt eröffnet
Unter dem Titel "Die Möglichkeit des Irrationalen" präsentiert der Satiriker Jan Böhmermann eine Ausstellung, die persönliche Erinnerungsstücke, juristische Dokumente und skurrile interaktive Installationen vereint. Besucher müssen vor dem Betreten ihre Handys abgeben – ein erster Hinweis darauf, dass hier Erwartungen bewusst auf die Probe gestellt werden.
Die Schau greift direkt Böhmermanns umstrittene Karriere und öffentliche Konflikte auf. Rechtsdokumente aus vergangenen Streitigkeiten liegen neben Profilbildern seiner Online-Kritiker. Zu den ausgestellten TV-Relikten zählen eine goldene Schallplatte des Rappers Bushido und ein Boxsack, den einst der flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek nutzte.
Noch surrealer wirken andere Exponate: Ein Teleskop richtet sich auf einen Spiegel und bietet so den Blick ins benachbarte Bundeskanzleramt. Daneben zerfetzt eine Maschine alle 28 Minuten ein Stofftier – es sei denn, ein Besucher zahlt, um es zu retten, und macht ein Foto. Eine lebensgroße Butterbüste des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl schmilzt langsam unter den Galerielichtern, während eine Raucherkabine echte Zigaretten für mutige Besucher bereithält.
In einem weiteren Bereich sind KI-generierte Aktbilder des CDU-Politikers Friedrich Merz zu sehen, daneben eine Nachbildung eines deutschen Einbürgerungstests. Für Independent-Publikum gibt es einen "TV-Garten" mit Live-Auftritten während der gesamten Laufzeit. Jedes Werk scheint darauf angelegt, Machtstrukturen zu irritieren, zu hinterfragen oder offen zu verspotten – ganz im Stil Böhmermanns.
Bis zum 19. Oktober 2022 bleibt Zeit, sich durch dieses Gemisch aus Satire, Spektakel und schierem Absurdismus zu bewegen.
Indem die Ausstellung Besucher zwingt, ihre Handys wegzuschließen, bricht sie bewusst mit gewohnten Rezeptionsmustern. Die Mischung aus juristischen Dokumenten, Popkultur-Artefakten und bewusst irrationalen Installationen spiegelt Böhmermanns Herangehensweise an Kunst und Aktivismus wider. Fast zwei Monate lang wird das Haus der Kulturen der Welt der Schau eine Bühne bieten – und damit genug Raum für Debatten über ihre provokantesten Werke.






