10 May 2026, 20:27

Hindenburgs gescheiterter Kompromiss: Warum der Flaggenstreit Weimar spaltete

Die Flagge Deutschlands mit einem schwarzen Doppeladler in der Mitte auf drei horizontalen Streifen rot, gelb und weiß.

Hindenburgs gescheiterter Kompromiss: Warum der Flaggenstreit Weimar spaltete

Der langjährige Flaggenstreit der Weimarer Republik erreichte 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ am 5. Mai eine neue Verordnung, um die erbitterten Auseinandersetzungen über die Nationalfarben beizulegen. Der Konflikt spaltete das Land seit Jahren: Auf der einen Seite standen die Befürworter von Schwarz-Rot-Gold, auf der anderen die Anhänger der alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot.

Die Wurzeln des Streits reichten bis in die frühen Tage der Republik zurück. Die Nationalversammlung hatte versucht, solche Spaltungen zu verhindern, doch bis Mitte der 1920er-Jahre hatte sich die Fronten verhärtet. Die Parteien der „Weimarer Koalition“ unterstützten Schwarz-Rot-Gold als offizielle Farben, während die rechtskonservative Deutsche Volkspartei (DVP) und die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) die Rückkehr zu den kaiserlichen Farben forderten.

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Bis 1925 prägte der Konflikt sogar die Präsidentschaftswahl. Ein „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ trat gegen einen „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ an – am Ende gewann Hindenburg die Wahl. Die Flaggenfrage drang in den Alltag ein und löste Streitigkeiten über Mützenbänder, Kirchenfahnen und selbst Strandwimpel aus. Beleidigungen und Zusammenstöße wurden zur Tagesordnung.

Hindenburgs Verordnung war ein kalkulierter Schachzug. Sie folgte einem Vorschlag des parteilosen Reichskanzlers Hans Luther, der auf Forderungen der DVP reagiert hatte. Das Dekret verfügte, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die republikanischen Farben als auch die Handelsflagge mit den kaiserlichen Farben im Oberliek zeigen sollten. Der Reichskunstwart Edwin Redslob war mit dem Entwurf einer einheitlichen „Reichsflagge“ gescheitert – der Streit blieb ungelöst.

Am 9. Mai versuchte Hindenburg in einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen. Er rief zu einem verfassungspolitischen Kompromiss auf, in der Hoffnung, die Lager zu versöhnen. Doch der Schaden war bereits angerichtet. Jeder Versuch, gemeinsamen Boden zu finden, war gescheitert – und der Flaggenstreit sollte sich bis 1933 hinziehen.

Auch die Zweite Flaggenverordnung konnte die Gräben nicht überbrücken. Stattdessen vertiefte sie die Spaltung zwischen republikanischen und antirepublikanischen Kräften. Die Frage blieb ungelöst – ein anhaltendes Symbol für die tieferen politischen Brüche der Weimarer Republik.

Quelle