21 March 2026, 08:28

Hamburgische Staatsoper provoziert mit radikaler Schumann-Neudeutung und gesellschaftskritischem Feuerwerk

Schwarz-weißes Kupferstich "Aaron Staying the Plague" zeigt verstörte Menschen in einem Feld unter einem tiefblauen Himmel mit untergehender Sonne.

Hamburgische Staatsoper provoziert mit radikaler Schumann-Neudeutung und gesellschaftskritischem Feuerwerk

Hamburgische Staatsoper präsentiert eine mutige neue Spielzeit mit einer provokanten Inszenierung von Das Paradies und die Peri

Die Hamburgische Staatsoper hat mit einer kühnen Neuinterpretation von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri eine ambitionierte Spielzeit eröffnet. Das auf einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh basierende Werk feierte am 14. Oktober 2025 unter der Leitung von Intendant Tobias Kratzer Premiere – und löste starke Reaktionen aus: zwischen begeistertem Applaus und vereinzelten Buhrufen. Die Produktion stellt sich unmissverständlich aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Kratzer und sein Bühnenbildner Rainer Sellmaier brechen mit traditionellen Inszenierungsmustern und rücken zeitgenössische Figuren in den Mittelpunkt der Handlung. Eine Schlüsselszene zeigt einen schwarzen Mann, der sich einem weißen Anführer konfrontativ entgegenstellt – eine direkte Auseinandersetzung mit rassistischen Machtstrukturen. Die vierte Wand wird konsequent durchbrochen: Kameras fahren über das Publikum, ziehen die Zuschauerinnen und Zuschauer mitten ins Geschehen hinein.

Die zentralen Themen des Oratoriums – Krieg, Seuchen und das Erbe älterer Generationen – werden explizit mit heutigen Krisen verknüpft. Der dritte Akt widmet sich der Klimakatastrophe und deutet sie als moralische Zäsur für die Gesellschaft. Vera-Lotte Boecker in der Rolle der Peri schafft es, eine tiefe Verbindung zum Publikum herzustellen; ihre Momente ungeschönter Empathie wirken lange über den letzten Ton hinaus nach.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Kratzers Vision geht über diese eine Produktion hinaus. Das Programm der Spielzeit umfasst neu kuratierte Musiktheaterabende, die herausfordern und zum Nachdenken anregen sollen. Sein übergeordnetes Ziel: die Hamburgische Staatsoper zugänglicher zu machen und ihre Kunst tiefer in den städtischen Alltag einzuweben.

Die Premiere von Das Paradies und die Peri markiert einen Wendepunkt für das Haus. Das Publikum verließ den Saal gespalten, doch unbestritten berührt von der schonungslosen Auseinandersetzung mit Rassismus, Klimawandel und generationenübergreifender Verantwortung. Mit Kratzer an der Spitze signalisiert die Oper ein Bekenntnis zu Inszenierungen, die nicht nur unterhalten, sondern auch aufrütteln.

Quelle