Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe in Deutschland
Cetin GeißlerGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe in Deutschland
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt
In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe zu – und damit auch die Anfeindungen gegen Gleichstellungsbeauftragte. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 63 Prozent der Fachkräfte erlebten in den vergangenen zwei Jahren gezielte Aggressionen. Die Lage ist so angespannt, dass ein bundesweiter Kongress in Lübeck kürzlich ein kämpferisches Motto wählte: „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“.
Die Zunahme der Feindseligkeit ist Teil eines größeren Trends. Antifeminismus, eine organisierte politische Bewegung, die sich gegen die Rechte von Frauen und queeren Menschen richtet, gewinnt in ganz Deutschland an Einfluss. Allein 2024 registrierte die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Die Bandbreite reicht von verbalen Beleidigungen bis zu körperlichen Übergriffen und Sachbeschädigungen.
Auch öffentliche Symbole für Gleichberechtigung geraten ins Visier. Orangenfarbene Bänke, die im Rahmen einer UN-Kampagne gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgestellt wurden, wurden in Osnabrück beschmiert, in Wiesbaden gestohlen und in Annweiler verändert. Eine Gleichstellungsbeauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, wie Rechtsextreme nach einer kontroversen Stellungnahme vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Trotz der Herausforderungen wehren sich viele Beauftragte. Sie schmieden Bündnisse, tauschen Strategien aus und bauen Netzwerke auf, um der Gegenbewegung standzuhalten. Unterstützung aus den eigenen Verwaltungen und persönliche Selbstfürsorge sind mittlerweile unverzichtbar, um dem Druck standzuhalten.
Auf dem jüngsten BAG-Kongress in Lübeck betonten die Teilnehmenden die Bedeutung von Widerstandsfähigkeit. Die Veranstaltung machte deutlich: Kürzungen im Haushalt und politische Widerstände erschweren ihre Arbeit – doch Solidarität hilft ihnen, voranzukommen.
Die Daten und Vorfälle zeigen ein klares Muster: Antifeministische Angriffe nehmen zu, sowohl in Häufigkeit als auch in Schärfe. Gleichstellungsbeauftragte setzen zunehmend auf kollektives Handeln und institutionellen Rückhalt, um ihre Arbeit fortzuführen. Ohne stärkeren Schutz könnte ihre Fähigkeit, für Gleichberechtigung einzutreten, künftig noch stärker eingeschränkt werden.






